Unheilvolle Träume

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1 of No-Yiff Ein zur Rastlosigkeit verfluchter Formwandler ist auf der Suche nach der Heilung


Eigentlich finde ich es ja einfacher direkt in Englisch zu schreiben, anstatt danach alles nochmal zu übersetzen. Aber so schreibe ich kaum noch auf Deutsch, deswegen fange ich mit der deutschen Version an. Für all die Englischsprachigen werde ich es mödlichst bald übersetzen.

Actually I find it easier to write directly in English instead of translating everything later on. But this way I rarely write in German, that's why I start with the German version. For all you English-speaking folks out there I will translate it as soon as possible.

Unheilvolle Träume

von Phenrir

Ich fühle mich... müde. Es muss ewig her gewesen sein, dass ich richtig ruhen konnte. Der Schlafmangel ist zermürbend. Ich kann nicht klar denken und immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich in Apathie versinke. Aber ich fürchte mich vor dem was passiert, wenn ich in das Land der Träume eintrete. Ich will nicht sterben...

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Verwirrung. Das Geräusch von Donner in einem von dunklen Wolken behangenen Himmel. Allein laufend durch das Gewitter. Blicke von Fremden im Rücken, sie wenden sich ab. Greifbar nah die Erlösung, eine Kette mit Rubin, doch unerreichbar. Eine Kreatur geboren aus finsteren Gedanken. Nur ein Ziel, Verfolgung. Tod. Schneller laufen während Donner grollt. Der Feind, ein dunkles flüssiges Wesen, holt auf. Furcht.

Keuchend erwachte ich. Mit weit aufgerissenen Augen sprang ich auf und machte mich bereit auf das was gleich kommen sollte. Ich konnte schon das Gewitter hören. Dicke Regentropfen prasselten herab als ein Blitz die Nacht in dem abgelegenen Wald in dem ich eingeschlafen war erhellte. Wiedermal hatte ich den Kampf gegen die Müdigkeit verloren und fühlte mich trotzdem nicht erholt.

„Wo bist du? Zeig dich!", schrie ich in die Natur hinein, während ich meine Stimme in einem drohenden Ton anschwellen ließ. Selbst die kleinsten Veränderungen meiner Form konnten anstrengend sein. Schnell passte ich meine Sinne an das nächtliche Wetter an und schon sah ich die Kreatur. Nur wenige Schritte entfernt regnete eine dunkle zähe Flüssigkeit herab, um sich als unförmige Masse zu sammeln. Langsam nahm die Kreatur immer mehr Konturen an, sie wirkte wie eine Mischung aus einem anthropomorphen Wolf und einem Bär und bestand ganz aus dieser seltsamen dunklen Flüssigkeit. Sie knurrte mich an und hob bedrohliche Klauen.

„Geh zurück wo du hergekommen bist! Ich besiege dich genauso wie die anderen." Meine Drohungen schienen die Kreatur nicht zu verunsichern. Verzweifelt überlegte ich, wie ich so ein Wesen besiegen könnte, doch meine Gedanken waren zäh vor Müdigkeit. Die Kreatur griff an. Sie war verdammt schnell und nur dank meiner Instinkte konnte ich schnell genug zur Seite springen. Wenn ich nicht selber schneller wurde, würde das ein sehr kurzer Kampf werden. Mit einem innerlichen wie äußerlichen Schütteln nahm ich die Gestalt eines aufrechten Gepards an. Sofort versuchte mich der Alptraum mit seinen Klauen zu erwischen. Ich konnte mich nur ein wenig zur Seite drehen, um anstatt eines tödlichen Treffers ein paar Kratzer einzustecken und schlug meinerseits zu. Der flüssige Körper der Kreatur bot keinerlei Widerstand. Ich schlug einfach hindurch und der schwarze Schlamm, aus dem der Alptraum zu bestehen schien, blieb an meinem Fell kleben. Knurrend vor Wut versuchte ich meinen Arm zurückzuziehen doch er steckte fest.

„Lass los!", schrie ich. Doch der flüssige Torso des Alptraums wollte meinen Arm nicht wieder freigeben. Plötzlich sah ich mich Auge in Auge mit dem triefenden aufgerissenen Maul der Kreatur. Alle Versuche mich zu wehren halfen nichts, der Alptraum senkte sein Maul und grub überraschend scharfe Zähne in meine Schulter. Ich hatte keine Ahnung, wie das Wesen obwohl es offensichtlich aus einer Flüssigkeit bestand solche Zähne haben konnte, aber der Schmerz und mein feststeckender Arm waren Anzeichen genug, dass die Kreatur mehr war als sie schien. Blut sickerte aus meiner Schulter und ich fühlte Kälte in meinen ganzen Arm strömen. Das war die Lösung, Kälte! Glücklicherweise hatte ich genau die richtige Form dafür.

Alle meine Kraft sammelnde versuchte ich mich so schnell wie möglich zu verwandeln. Selbst unverletzt und ausgeruht wäre es nicht einfach gewesen diese spezielle Form anzunehmen, aber so war es meistens wenn einem die Übung fehlte. Während der Alptraum stärker zubiss, worauf mein Arm brach und Blut aus der Wunde spritzte, veränderte sich mein Körper. Aus gepunktetem Fell wurden fast weiße Schuppen, die Schnauze wuchs länger, der Schwanz wurde flexibler und auf dem Rücken wuchs ein großes Paar Flügel. Die Form eines Frostdrachen hatte mir schon gute Dienste geleistet und unter den gegebenen Umständen erreichte ich bei der Verwandlung eine neue Rekordzeit. Seufzend atmete ich aus.

„Mal sehen wie kältebeständig du bist!" Um mich herum gefroren die Regentropfen zu Eis und mit Befriedigung stellte ich fest, dass die Bewegungen des Alptraums langsamer wurden. Der Druck seiner Kiefer ließ nach als sich Risse in seinem Torso bildeten. „Was ist los? Wo ist deine Coolness geblieben? Keine Sorge ich gebe dir was von mir ab." Erneut atmete ich aus und Teile der Kreatur gefroren nun ebenfalls. Mit einem Ruck brach ich meinem Arm frei, bevor ich die Kreatur nochmal anhauchte. Sie wollte meine Schulter immer noch nicht loslassen, also schlug ich kräftig zu. Nun war es fast einfach diesen Feind, der aus meinen Träumen kam zu besiegen, doch es würde wohl kaum immer so sein. Der Alptraum zuckte noch einmal kurz zusammen, dann bewegte er sich gar nicht mehr. Angewidert trat ich kräftig zu.

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Stunden später lief ich eine Straße entlang und sah, dass ich einer Stadt immer näher kam. An ihren Namen konnte ich mich leider nicht mehr erinnern. Überhaupt fiel es mir schwer während dem Laufen die Augen offen zu halten. Nach dem Kampf gegen den letzten Alptraum hatte ich nur meine Sachen gepackt und mich dann auf den Weg gemacht. Außer einem Stab und einer Zeichnung hatte ich nichts dabei, Kleidung konnte ich improvisieren. Einer der Vorteile wenn man ein Formwandler war.

Für meine verletzte Schulter und den gebrochenen Arm kannte ich glücklicherweise Formen die wesentlich schneller heilten als meine jetzige, sodass außer einem unangenehmen Stechen nichts übrig blieb. Trotzdem kreisten meine Gedanken darum, wie knapp ich dieses Mal überlebt hatte, jedes Mal wurde es gefährlicher. Dieser verdammte Fluch würde noch mein Ende sein, wenn ich nicht bald einen Weg fand um ihn zu brechen, was auch der Grund war warum ich in Gestalt einer alten Dächsin gestützt auf meinen Stab auf die Stadt zulief.

Ich erreichte die von einigen Wachen flankierten Stadttore. Wie ich erwartet hatte waren die Wachen nicht sonderlich misstrauisch als ich durch die Stadttore hinkte. Die Form einer Dächsin wirkte nicht gefährlich, war aber leider auch nicht sonderlich praktisch. Immer noch todmüde bewegte ich mich durch die Straßen. Es war Zeit ein wenig herumzufragen außerdem war ich das Aussehen der Dächsin ohnehin leid. Ich bewegte mich in eine Seitengasse und versicherte mich, dass niemand in der Nähe war, dann verwandelte ich mich erneut. Diesmal in die Gestalt eines Fuchses. Blinzelnd versuchte ich richtig wach zu werden, natürlich ohne großen Erfolg und suchte die nächste Taverne. Es gab einige Nachteile, wenn man mit so leichtem Gepäck reiste wie ich, zum Beispiel fehlte immer das Geld. Zwar brauchte ich eigentlich keines, was sollte ich damit schon kaufen, aber alle anderen schienen zu erwarten, dass man sie bezahlen konnte. Und da ich dringend Informationen brauchte führte auch kein Weg daran vorbei etwas Geld zu besorgen. Mit geschickten Fingern und schnellen Bewegungen erleichterte ich einige Passanten um ihre Geldbörsen.

Schließlich betrat ich die nächste Taverne. Man würdigte mich keines zweiten Blickes, also bewegte ich mich auf den Wirt, einen breiten Eber, zu. Er nickte in meine Richtung während ich mich an den Tresen stellte. „Was darf's sein?", fragte der Wirt. Zur Antwort holte ich eine Goldmünze hervor und legte sie auf den Tisch. Der Wirt behielt das Geld ganz genau im Blick während er auf meine Antwort wartete.

„Ich suche etwas und frage mich wer wissen könnte wo ich es finde." Als nächstes holte ich einen Zettel mit einer Zeichnung darauf hervor, er war neben den Stab mein einziger anderer Besitz. Die Zeichnung zeigte eine teure Kette an der ein großer sechseckiger Rubin hing. Auf die Zeichnung schielend griff der Eber schnell nach der Münze. „Da hab ich genau den richtigen für dich", er unterdrückte ein Lachen und grunzte verdächtig. „Gleich da hinten, der große Kerl. Er kann dir weiterhelfen." Der Wirt zeigte auf einen Tisch in der Ecke, an dem ein muskelbepackter Bulle saß. Ohne zu zögern ging ich auf den Bullen zu und spürte den neugierigen Blick des Wirts in meinem Rücken. „Hey", sagte ich als ich an den Tisch des Bullen herantrat. Er leerte gerade einen Humpen Bier um mich danach zu mustern. „Man hat mir gesagt, du könntest mir helfen etwas zu finden." Der Bulle blickte mich stirnrunzelnd an, bevor er mit tiefer rauer Stimme sprach.

„Geschäfte mach ich nur draußen!" Er erhob sich und blickte auf mich herab, der Bulle musste mindestens zwei Köpfe größer sein als ich im Moment war. Ohne ein weiteres Wort ging er Richtung Hintertür und bedeutete mir zu folgen. Bisher war der Kerl mein einziger Anhaltspunkt also folgte ich ihm, während ich versuchte ein Gähnen zu unterdrücken. Wir gingen hinaus in einen Hinterhof, niemand war dort außer uns beiden. „Dann rück mal deine Geldbörse raus!" Der Bulle knackte demonstrativ mit den Knöcheln. Ich war einfach zu müde und hatte ihn wohl nicht richtig verstanden.

„Was?", war alles was ich leicht verdutzt hervorbrachte. Mein Gegenüber prustete erheitert. „Ich erkläre es dir jetzt mal ganz langsam... Gib mir all dein Geld oder ich verdresche dich bis du nicht mal mehr nach deiner Mama schreien kannst!" Er hob eine geballte Faust, die fast so groß war wie mein Kopf. „Los jetzt oder es setzt was!" Ich registrierte immer noch zu langsam was vor sich ging. Ofensichtlich steckten der Bulle und der Wirt unter einer Decke und sie schienen nicht interessiert an einem fairen Handel zu sein. Nichts tuend stand ich da, bis der Bulle ausholte und mit seiner Faust auf meine Nase schlug. Er traf mich so hart wie ein Schmiedehammer. Meine Nase blutete sofort und ich wurde einige Schritte zurückgeschleudert.

Als ich auch Blut im Mund schmeckte während ich zurückfiel begannen meine Gedanken zu rasen. Jede Müdigkeit war verflogen und dieses Gefühl allein war unglaublich. Der Bulle war mir im Moment klar überlegen, ich musste etwas tun. Trotzdem hielt ich es für eine schlechte Idee mich direkt vor seinen Augen vollständig zu verwandeln. Nein, das würde nur für ungewollte Aufmerksamkeit sorgen. Aber es gab innere Möglichkeiten, wie ich meine Chancen verbessern könnte. Während mein Feind für einen erneuten Angriff näher kam konzentrierte ich mich. Muskeln wuchsen, Knochen verhärteten sich, selbst Krallen und Zähne ließ ich kaum merklich wachsen.

Bevor mich der Bulle erneut schlagen konnte trat ich kräftig nach ihm, so dass er ins Stolpern kam. Mit einer schwungvollen Bewegung sprang ich auf und sah in das überraschte Gesicht meines Gegners. Er erholte sich schnell und versuchte mich zu packen. Doch er war kein Alptraum, von denen ich schon einige bekämpft hatte, so dass ich problemlos ausweichen konnte. Ich hielt einen seiner massigen Arme fest und verdrehte ihn während ich mich hinter den Bullen bewegte. Mit etwas mehr Kraft hätte ich den Arm brechen können aber ich entschied mich dagegen. Der Bulle stöhnte auf, trat nach hinten und erwischte mein Knie. Es war schmerzhaft aber ich ließ nicht los. Mein Gegner ruderte mit dem freien Arm, als er versuchte mich zu erwischen, doch es half nichts. Während er rumzappelte waren wir einer nahen Hauswand immer näher gekommen und so rammte er mich ohne Warnung gegen die Wand. Aufstöhnend ließ ich los, worauf der Bulle sich befreite. Ohne zu zögern schlug er mit aller Kraft in meinen ungeschützten Bauch. Ich fiel fast vornüber als mir schlecht wurde.

„Du hast es so gewollt", presste ich hinter zusammengebissenen Zähnen hervor. Schnell verstärkte ich meinen Körper noch mehr. Ich trat so kräftig nach seinen Beinen, dass ich sie unter ihm wegriss. Er fiel zu Boden, doch ich ließ ihm keine Zeit sich zu erholen. So stark es mir in diesem Körper möglich war trat ich nach seinem rechten Schienbein und hörte zufrieden ein widerliches Knacken währen der Bulle laut aufschrie.

Die plötzliche Euphorie verließ mich langsam, nur Schmerzen und Ekel blieben zurück. Ich spuckte dem Bullen, der jetzt nur noch wimmerte, Blut ins Gesicht. Dann packte ich ihn an seinen großen Hörnern und hob seinen Kopf. „Jetzt hör mir ganz genau zu, ich werde mich nicht wiederholen." Ich wartete bis der Bulle nickte, dann hielt ich ihm die Zeichnung direkt unter die Nase. „Überleg dir ganz genau was du jetzt sagst! Weißt du wo ich dieses Juwel finde?" Er schluckte merklich.

„... es gehört der Tochter des Herzogs", stammelte er hervor. „Sie lebt im Schloss... du wirst du niemals reinkommen!" Ich ließ seine Hörner los und er viel zusammenzuckend vor Schmerz zurück. Ihm den Rücken zudrehend begann ich bereits Änderungen an meiner derzeitigen Form vorzunehmen und hob meinen Stab auf. Die Müdigkeit umfing mich wieder, ich musste mich beeilen, bevor ich erneut einschlief. Während ich den Bullen zurücklies warf ich meine Geldbörse weg, es war nur unnötiges Gewicht. „Las das mal meine Sorge sein."

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Wenn man so aussehen kann wie jede beliebige Person der man begegnet ist es ziemlich einfach sich irgendwo einzuschleichen. Zuerst nahm ich die Form einer Wache an um ins Schloss zu kommen, dann die Gestalt eines Dieners um nicht zu sehr aufzufallen und zuletzt das Aussehen einer Kammerzofe um ungefragt in das Zimmer der Herzogstochter zu gelangen. Das Zimmer war leer und man konnte direkt erkennen, dass hier eine Frau lebte. Ein großes weiches Bett, eine Kommode für Schmuck und dergleichen mehr. Hoffentlich war der Rubin hier und ich konnte verschwinden, ohne dass mich jemand bemerkte. Sofort begab ich mich auf die Suche. In Schubladen und Schränken kramend suchte ich alles ab, doch das Juwel war nicht da.

„Verdammt!" Ich ließ meinem Unmut freien Lauf und stieß die Kommode um, mit einem lauten Knall fiel sie zu Boden. „Sie muss die Kette um haben..." Es blieb mir wohl keine andere Möglichkeit als das Juwel direkt von ihrem Hals zu stehlen. Seufzend setzte ich mich auf das Bett. Es war so weich und bequem. Vielleicht konnte ich warten bis sie schlief und die Kette ablegte. Ja, das klang nach einem guten Plan. Ich musste nur warten. Nur Ruhen...

Käfig aus Gold und Naivität. Hohe Wände. Ein außergewöhnliches Glänzen. Das Juwel, an jemandes Hals hängend. Erstaunen. Dann ein weiteres Leuchten. Kampfbereit, nicht fliehend. Mädchen verwundert und schreiend. Metallischer Drache. Angriff, Schmerz, Zerstörung. Fall!

Panisch erwachte ich auf dem Bett. Ich war eingeschlafen, das heißt es war nur eine Frage der Zeit bis es wieder losging. Sofort sprang ich auf und begann meine Verwandlung. Diesmal wollte ich vorbereitet sein also wählte ich eine meiner stärkeren Formen aus. Wie eine Mischung aus Alligator und Tiger war diese Gestalt sowohl stark als auch widerstandsfähig. Ich war gerade fertig da bemerkte ich, dass ich nicht mehr allein im Zimmer war. Eine junge Wölfin in einem Kleid starrte mich an, um ihren Hals hing das Juwel. Das musste die Tochter des Herzogs sein, natürlich kam sie genau zum falschen Zeitpunkt. Bevor ich etwas sagen konnte merkte ich jedoch, wie sich die Wand zu ihrer Seite grau färbte und irgendwie metallisch wurde.

„Du hast dich verändert... Was bist du?", stammelte das Mädchen. Das wurde ja immer schlimmer, sie hat sogar meine Verwandlung mit angesehen. Aus der metallischen Wand schälte sich langsam der jüngste Alptraum ab und nahm die Form eines Drachen an, wie ich es in meinem Traum gesehen hatte. Die Wölfin hatte die Kreatur noch überhaupt nicht bemerkt.

„Zur Seite!" Sie reagierte nicht auf meine geschriene Warnung, also stürzte ich vorwärts und stieß sie zur Seite bevor der metallische Drache mit seinem scharfen Kiefer nach ihr schnappen konnte. Erschrocken aufjaulend stürzte sie zu Boden und sah erst jetzt den Alptraum. Ich stellte mich zwischen sie und die Kreatur, um den metallischen Drachen abzulenken. Er stieß ein lautes Grollen aus, griff aber noch nicht an.

„Lauf weg sobald du die Gelegenheit dazu hast", flüsterte ich dem Mädchen zu ohne den Blick von dem Alptraum abzuwenden. Sie stand auf, blieb aber hinter mir. Plötzlich schlug der metallische Drache mit einer seiner Klauen nach mir. Mir blieb nicht viel Zeit zum Reagieren, wich ich dem Angriff aus hätte der Drache eine Chance das Mädchen zu attackieren und ich wollte weder dass ihr noch dem Juwel etwas passiert. Also versuchte ich den Angriff zu parieren. Zwar konnte ich die meiste Wucht des Angriffs abfangen, aber die Klauen schnitten trotzdem in einen meiner Arme. Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und stieß den Drachen mit aller Kraft zurück. Er wich nach hinten und umkreiste uns, als wollte er nach einer Schwachstelle suchen. Dabei schnitt er den einzigen Fluchtweg ab, denn das Zimmer war im vierten Stock und es gab nur eine Tür. Offensichtlich war der Drache klüger als erwartet. Während der Drache uns aus metallenen Augen musterte wich die Wölfin weiter zurück. Ich nutzte die Gelegenheit um den Alptraum zu attackieren, er versuchte mich mit seinem scharfen Maul zu packen, aber es gelang ihm nicht. Anscheinend war ich schneller als er und mir fiel auf, dass er instinktiv mit seinen Flügeln schlug dabei aber nicht von der Stelle kam. Vielleicht war er zu schwer um zu fliegen, oder hier drin war einfach nicht genug Platz.

Ich steckte kleinere Wunden ein, während der metallische Drache keinen einzigen Kratzer hatte. Wenn es so weiter ging sah es schlecht für mich aus. Plötzlich kratzte der scharfe Schwanz des Drachen über meine Brust, ich hatte ihn vollkommen missachtet. Blut spritzte aus der Wunde und ich stöhnte auf. Wenig später peitschte der Alptraum kräftig mit seinem Schwanz und ich flog durch die Luft bis ich gegen die Wand krachte. Das Mädchen war nicht weit entfernt und kam an meine Seite, zur selben Zeit kam der Drache auf uns zu. Bevor er uns erreichte stellte ich mich in den Weg, obwohl dabei alles schmerzte. Als der Alptraum mich mit seiner Klauen zerfleischen wollte duckte ich mich schnell genug weg. Stattdessen traf er nur die Wand, die schon durch meinen Freiflug ziemlich gelitten hatte, mehrere Steine brachen heraus. Langsam formte ich einen Plan. Auf der anderen Seite der Mauer war nur ein vier Stockwerke tiefer Fall, würde das genügen um den metallischen Drachen zu besiegen?

Ich konzentrierte mich so stark es mir möglich war und verstärkte meine Form in jeder Hinsicht, so dass es in meinem Kopf schmerzhaft pochte. Der Drache schnappte mit seinem Maul nach mir, aber ich duckte mich schnell genug weg. Gewandt schlüpfte ich unter dem Alptraum hindurch. Als er dies bemerkte wollte er mit dem langen und scharfen Schwanz nach mir schlagen. Die messerscharfe Schwanzspitze überraschte mich und schnitt einen Teil des Fleisches von meinem Bein. Wütend stöhnte ich auf und brachte immer noch Distanz zwischen uns. Ohne langsamer zu werden drehte ich schließlich um und wuchs dabei größer. Mit alle meiner Macht rammte ich den Drachen, der sich mittlerweile umgedreht hatte, in die Wand hinein. Unter der Wucht brach die Wand vollkommen zusammen. Ich konnte noch schnell genug abbremsen und kam rechtzeitig zum Stehen, doch der Alptraum hatte nicht so viel Glück. Für einen Moment hing der metallische Drache noch halb an der langsam abbrechenden Wand, doch dann gab auch der Boden nach.

Er schlug mit den Flügeln, doch wie es aussah konnte er tatsächlich nicht fliegen. Der Drach stürzte herab und Teile der Mauer wie auch des instabil gewordenen Bodens folgten ihm. Während ich aus diversen Wunden blutete hörte ich plötzlich einen Aufschrei von meiner Seite. Ich hatte das Mädchen vergessen. Sie hatte sich offenbar in der Nähe der Wand in Sicherheit gebracht, doch die war nun dabei nach unten zu stürzen. Auf einmal sackte der ganze Boden schief ab und sie drohte den Halt zu verlieren.

„Bitte, hilf mir", rief sie noch ehe sie wie der Drache in die Tiefe stürzte. Instinktiv sprang ich hinterher und lies mir so schnell es ging Flügel wachsen. Der Fall war recht kurz, es gelang mir gerade noch das Mädchen zu fangen, sofort breitete ich die Flügel aus um abzubremsen. Hart kam ich auf dem Boden auf, aber der Schmerz konnte wohl kaum noch schlimmer werden. Ich setzte die Wölfin ab, die nur noch vor Schreck zitterte, ihr Kleid war mit meinem Blut besudelt.

Das ohrenbetäubende Gebrüll des metallischen Drachen verlangte sofort all meine Aufmerksamkeit. Er hatte also den Sturz überlebt und wie es aussah nicht mehr als ein paar Risse abbekommen. Das Monster war eben immer noch aus Metall, musste also rosten, schmelzen und spröde werden. Ich glaubte kaum, dass es genügen würde das Monster zu schmelzen, schließlich hatte ich schon gegen einen flüssigen Feind gekämpft und Rost schien mir auch keine gute Option zu sein. Mit anderen Worten es blieb nur noch eine Möglichkeit.

Während ich mich schon wieder verwandelte, die Schmerzen waren mittlerweile fast unerträglich, setzte der metallische Drache zum Sprung an. Ich blieb einfach stehen, im Moment brauchte ich alle Kraft für die Verwandlung. Feuerrote Federn wuchsen mir als ich die Form eines Phönixes annahm. Ich versuchte mich gerade an den neuen Körper zu gewöhnen, der nun schlanker leichter und kleiner war, als der Alptraum mich umwarf. Sofort versenkte er seine rasiermesserscharfen Zähne in meinen Arm und biss ihn fast in zwei. Ich schrie auf.

Bevor der Drache meinen Arm abreißen konnte erhitzte ich die Luft um uns herum. Mehre Feuer entstanden und ich verstärkte sie noch weiter. Der Alptraum fing an zu glühen, sein metallischer Körper schien sogar weicher zu werden. Trotzdem war sein Griff zu stark um mich zu befreien.

„Wenn man Metall erhitzt wird es weich und schmilzt", erklärte ich wortwörtlich wutentbrannt. Nach einer kurzen Pause begann ich mich wieder zu verwandeln, diesmal in den Frostdrachen. „... kühlt man dann das Metall schnell runter, wird es spröde und bricht!" Ich atmete aus und verbreitete sofort eine stechende Kälte. Es musste ein seltsames Schauspiel abgegeben haben, als die Flammen flackerten und sich zwischen ihnen Raureif auf dem Boden bildete, aber ich achtete nicht darauf. Meine Augen fokussierten den Drachen, der zu Dampfen anfing. Sein Glühen wurde schwächer, doch sonst schien nichts zu passieren. Mit seinem Maul hielt er immer noch meinen Arm fest.

„Stirb endlich, verdammt!" Ich schrie ihn an, holte Luft und stieß so viel Kälte aus, wie mir möglich war. Aber bewirkte dabei immer noch nichts. Verzweifelt schlug ich nach dem Kopf des Drachen, ein dumpfer Ton erklang und er ließ trotzdem nicht los. Wieder atmete ich aus bis leise knackende Geräusche erklangen.

„Wurde aber auch Zeit!" Der metallische Körper war nun unförmig und porös, Risse formten sich überall als sogar Teile seines Körpers rausbrachen. Mit einem Grinsen schlug ich wieder nach dem Kopf des Alptraums und mein Arm brach frei. Zwar steckten noch die Zähne drin, aber darum konnte ich mich später kümmern. Der Drache wurde jetzt immer langsamer, seine Bewegungen abgehackter und nach ein paar weiteren Schlägen bewegte er sich überhaupt nicht mehr.

Unendlich erschöpft stand ich dort schwer atmend im Chaos dieses Schlachtfelds. Inmitten eines kleinen Kraters, umgeben von Metallschrott, während Eisschichten schmolzen und kleine Feuer ausgingen. Mein Körper blutete aus mehreren Wunden, aber es gefror schnell auf den Schuppen des Frostdrachen. Erst jetzt bemerkte ich, dass mich die Wölfin immer noch aus großen Augen beobachtete. Ich hätte erwartet, dass sie bei der nächsten Gelegenheit weglief, stattdessen starrte sie nur mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen in meine Richtung. An ihrem Hals funkelte der sechseckige Rubin, das Juwel nach dem ich schon so lange auf der Suche war. Würde es meinen Fluch brechen können?

Ich ging auf das Mädchen zu, sie bewegte sich kein bisschen. Mein Großvater hatte mir einmal gesagt, dass die Meisten grundsätzlich von ihrer eigenen Art weniger Angst hatten. Leider hatte ich keine Ahnung ob an seiner Behauptung wirklich etwas dran war, aber immerhin war es einen Versuch wert. Also nahm ich die Form eines Wolfes an und gab mir eine schlichte Robe als Kleidung. Ich machte mich etwas größer als sie und gab mir einen muskulösen männlichen Körper, vielleicht würde es mir weiterhelfen.

„Du hast mich gerettet", sagte sie als der Schreck in ihren Augen Verwunderung wich. „Ich bin gefallen und du hast dich einfach... verwandelt." Meine Fähigkeiten waren sicher schwer zu akzeptieren, für mich war es aber nichts Außergewöhnliches. Ich zuckte einfach mit den Schultern und musste dann ein schmerzhaftes Aufstöhnen unterdrücken.

„Du bist verletzt", bemerkte die Wölfin. Trotz der Verwandlung waren die Wunden noch da, so schnell würden sie auch nicht verschwinden. Mit etwas Zeit und Ruhe, was ich mir beides kaum erlauben konnte, würde alles verheilen. „Ach, das sind bloß ein paar Kratzer", antwortete ich. Irgendwie war das ganze ja meine Schuld, aber um diesen Fluch loszuwerden würde ich mich täglich fast zerfleischen lassen. „Darf ich fragen, wie du heißt?" Wenn ich ihre Hilfe wollte dann war etwas Freundlichkeit wohl angebracht.

„Mein Name ist... Lenya", sagte sie zögernd, vielleicht auch ein wenig verlegen. Trotz alle dem wirkte sie eher neugierig als verängstigt. „Wie ist dein Name?" Namen waren ein schwieriges Thema. „Nenn mich Vel", antwortete ich kurz und bündig. Es entstand eine kurze unangenehme Pause bevor ich mich entschloss Lenya einfach nach dem Juwel zu fragen. „Das mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber du könntest mir bei etwas helfen..." „Worum geht es?" Die Wölfin sah mich fragend an. Mein Kampf gegen den Alptraum musste Aufsehen erregt haben, aber mit etwas Glück war ich längst wieder weg, bevor jemand hier war. „Deine Kette", sagte ich als ich auf ihr Juwel zeigte. „Deswegen bin ich hier. Könnte ich sie mir vielleicht etwas genauer ansehen?" Lenya berührte das Schmuckstück.

„Mein Kette? Sie ist ein Erbstück..." Sie zögerte. Dann, ohne ein weiteres Wort zu sagen, löste sie den Verschluss der Kette und reichte sie mir. Perfekt, jetzt musste ich mich nur noch vergewissern, dass es kein gewöhnlicher Rubin war. Ich veränderte meine Augen, um die Aura des Juwels zu sehen. Mir war sehr wohl bewusst, dass die Augen dabei seltsam leuchteten, aber das ließ sich im Moment nicht vermeiden. Doch als ich die Aura der Kette wahrnahm stöhnte ich enttäuscht auf. Sie war vollkommen normal, da war kein Leuchten. Alles war umsonst! Würde ich den Fluch jemals lösen können? Verzweiflung begleitet von einer Welle der Müdigkeit umfing mich.

Ich wollte Lenya ihre Kette zurückreichen und hielt inne als ich sie zum ersten Mal wirklich sah. Die Aura der Wölfin war... unbeschreiblich. Eine Symphonie aus Farben dominiert von einem starken Orangeton. Sie war es, die ich im verfluchten Schlaf gesehen hatte, nicht die Kette war wichtig. Sollte Lenya meine Rettung sein und wohlverdiente Ruhe bringen? War dies das Ende meiner unheilvollen Träume?

ENDE