Anderssein - Teil I

Story by Exylonx on SoFurry

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#1 of Anderssein

Nun, zum ersten Mal nach 8 Monaten Abwesenheit hatte ich mal wieder Lust, zu experimentieren und zu schreiben. No-Yiff. That's it :D


07.06.2012, 23:54:09 Und wieder da, nach acht Monaten. Diese neuste Geschichte entstand spontan an einem regnerischen Abend ohne Gesellschaft. No-Yiff, dafür düster. Ich hoffe, den wenigen, die mich kennen, und denen, die mich nicht kennen, aber über diese Geschichte stolpern, gefällt mein Werk. BTW: Ich habe keine keine Ahnung, wie's von hier an weitergehen soll. Sollte jemand Lust haben, nach eigenem Gutdünken weiterzuschreiben, bitte tu es! Ich würde gerne wissen, in welche Richtung sich das Leben dieser drei Anthros entwickeln wird. Viel Spass.

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  • Teil I -

Wie viele Scheiss-Meter muss man hier eigentlich laufen?, fluchte Hendrik still, als er durch die Winterkälte hetzte und trotz aller Kleiderschichten und körperlichen Anstrengung fror. Es war später Abend, und der Mond beleuchtete gelangweilt die schlafende Hafenstadt, die gemächlich im Schnee versank. "Stadt" war ein zu starkes Wort, befand er. Mehr ein Städtchen, das seine Popularität durch die wunderschöne, abgeschiedene Bucht eine gute Meile ausserhalb des Hafens bezog. Es war eine raue und wilde Gegend, doch die Bucht war in der Tat aussergewöhnlich: Vom Meerwasser abgerundete Kieselsteine bildeten beim Darüberlaufen eine klackernde Akustik in der von Felswänden umgebenen Bucht, die meist mit Bodennebel überzogen war. Uralte Bäume schliefen still wenige Meter von den Kieselsteinen entfernt und bildeten ein dichtes Geäst, das dem Boden sämtliches Licht stahl. Mysteriös und immer für einen Spuk gut, war sie seit Jahrzehnten ein Magnet für unreife, Streiche spielende Spätsemester und ambivalente Charaktere, denen man die Verschrobenheit auf den ersten Blick ansah. Dorthin rannte Hendrik, nachdem er mit dem Pick-Up so nahe wie möglich an die Bucht herangefahren war, wie es ihm der nachgiebige Untergrund erlaubt hatte. In beste Abendkleidung und dicke Jacken gehüllt, legte er die letzten hundert Meter auf Hufen zurück.

Und dann, wenige Minuten später, hatte er ihn gefunden: Den ambivalenten, verschrobenen Avishai, einen Albino-Wolf, der meist nur durch sein Aussehen auffiel. Ausser Atem kniete sich Hendrik neben ihm nieder und erfasste die Situation: Avishai lag bewusstlos auf den Kieselsteinen, sein linker Arm wurde in regelmässigen Abständen vom eiskalten Wasser geleckt; wo sein Anzug nicht mit Sand oder Dreck beschmiert war, hatte sich bereits eine dünne Schneedecke gebildet. Hendrik legte ihm eine Pranke auf die Wange - kalt wie das schwarze Wasser neben ihm, und von Blut bedeckt. Eine harte Faust hatte diesen Treffer gelandet. Wahrscheinlich waren die darunterliegenden Zähne ausgeschlagen, mindestens aber locker. Glücklicherweise sah er keine Erfrierungen, doch der Eindruck mochte täuschen. Ein leichtes Zittern überfiel den Wolf, und ein kleiner, dampfender Atemstoss drang aus seinen Nüstern. Selbst der Dümmste hätte erkannt, dass die Zeit drängte. Mit dem Adrenalinschub eines pubertierenden, halbstarken Bullen hob er den Wolf kurzerhand hoch, warf ihn sich über die Schulter und schleppte ihn, so schnell ihn die Hufe trugen, zum Auto, um hochtourig und mit maximaler Heizung ins Städtchen zurück zu brausen.

Fünftausend Einwohner, vierundzwanzig Kirchen, eine verlotterte Schule und kein Spital, keine Ambulanz und keine Polizei. Letztere war nicht nötig, jeder hier war Polizist und Sittenwächter. Als er vor sechs Monaten zum ersten Mal mit eigenen Augen erblickt hatte, was den Worten seiner Schwester nach "ein Ort der Freude, des Glaubens und der Toleranz" war, hatte er nicht geschrien oder gelacht, sondern schlicht die Augenbraue gehoben und resigniert. Nicht alles war schlecht. Die Wohnung seiner Schwester, in der er zur Zeit allein residierte, weil sie sich einer Gruppe Gläubiger angeschlossen hatte, die auf den "Pfaden Gottes" wandeln wollte, war luxuriös - dekadent! -, topmodern und (weil alle selbsternannten Heiligen und Frommen Heuchler sind) mit den sündigsten Dingen des Lebens ausgestattet: Dem Teufelswerk Internet, um das Wort Gottes in Lichtgeschwindigkeit vernehmen zu können, Fernseher, um Toleranz für andere Glaubensrichtungen zu entwickeln, sogar eine Spielekonsole hatte er nach langem Suchen gefunden; die einzigen Spiele: "Vatikanbau Extrem" und "Die Jagd nach der verlorenen Hostie".

Und die Schule! Zwei Quadratkilometer Schulgelände, zwei Stockwerke hoch, vierhundert Schüler, Schulbücher des letzten Jahrhunderts (als Anthros aller Arten den Begriff "Demokratie" bereits nicht mehr kannten oder kennen wollten) und mehr Kreuze als auf dem Massengrab des letzten Kreuzzuges Seiner Heiligkeit. Das Fehlen eines Spitals war problematisch, obschon in dieser seiner Stadt und dem Rest der Welt selbstverständlich: Niemand, der fromm war, wurde krank; böse Flüche wurden mit Gebeten ausgetrieben. Zum Glück hatte die kleine Gestalt, die im Beifahrersitz lag, keine Krankheit, sondern "nur" einen Kälteschock. Evelyn würde wissen, was zu tun war.

Mit verbotenen neunzig Sachen jagte Hendrik den Pick-Up seiner Schwester durch die leeren Strassen, an der Schule vorbei, wo immer noch Abschlussball gefeiert wurde, an der darauffolgenden Kreuzung bog er rechts ab, röhrte die steile Strasse hinauf zu der Wohnsiedlung, die in die senkrecht aufragende Felswand eingebaut war, und fuhr dort durch das bereits geöffnete Garagentor. Evelyn ist bereits da. Erleichterung durchspülte ihn kurz, dann kehrte die Sorge zurück. Nachlässig parkte er das metallene Ungetüm auf zwei Parkplätzen, gleich darauf eilte er mit seiner bewusstlosen Fracht durch Türen, Flure und Treppenhäuser, bis er vor der Apartment-Tür 14b stand und klingelte. In den wenigen Sekunden, die Evelyn brauchte, um ihm die Tür zu öffnen, versuchte er, zu rekapitulieren, was in den letzten zwei Stunden passiert war. Es gelang ihm nicht.

Die weisse Tür öffnete sich geräuschlos, und ein paar goldene Katzenaugen blickten ihn sorgenvoll an. "Du hast ihn gefunden", sagte sie dankbar und öffnete die Tür ganz. Eine Pantherin in einem züchtigen roten Abendkleid, das unauffällig ihre schlanke Figur betonte, stand vor ihm und zuckte nervös mit dem Schwanz. Er nickte schwach und trat ein. Erschöpfung kroch in seine Arme, und vage erkannte er, welcher Anstrengung er sich gerade unterzogen hatte. Die nächste Viertelstunde verging zu schnell, als dass Hendrik sich viel hatte einprägen können. Sie trugen das geringe Gewicht durch den Gang, gingen in das cremefarbene, kreisrunde Wohnzimmer, zogen den kleinen Wolf aus ("Scheiss auf Unzüchtigkeit", hatte Evelyn gefaucht, als er gezögert hatte, dem Wolf die Boxershorts auszuziehen) und legten ihn in Decken neben den Kamin, den Evelyn klugerweise bereits vorgefeuert hatte. Er habe keine Erfrierungen, sei aber dehydriert und brauche Wärme und Ruhe. Er werde ohne Schäden davonkommen - von einem ausgefallenen Zahn abgesehen-, aber seine Erschöpfung ausschlafen müssen.

Er hatte den Blick abgewandt, als sie den nackten Avishai auf Erfrierungen untersucht und sanft mit Tüchern trocken gerieben hatte; daran erinnerte er sich noch. Er mochte rebellischer denken als viele, doch die prüde Erziehung seiner Eltern hatte ihm einige Reflexe aufgezwungen. Schweigend hatten sie danach aufgeräumt, den verdreckten Anzug des Wolfes zum Trocknen aufgehängt und Holzscheite nachgelegt. Danach waren sie müde auf die Couch gefallen, hatten sich dankbar in die Augen geschaut und sich dann wieder auf den Wolf konzentriert, der vor ihnen lag und durch die Decken groteske Ausmasse angenommen hatte. Das Feuer prasselte munter und verbreitete köstliche Wärme in dieser kältesten aller Nächte, und bald waren alle drei, Pantherin, Bulle und Wolf, fest in den Armen des Schlafs.

Noch bevor die bleiche Wintersonne sie hätte wecken können, riss sie der mit der ganzen Stadt synchronisierte Wecker aus dem Schlaf. Die Stimme des Stadtpfarrers Heinrich Kramer schallte durch gut verborgene Lautsprecher im Wohnzimmer: "Gegrüsst sei meine Herde! Ein neuer Tag ist angebrochen, und unendlich viele Möglichkeiten warten, dem Herrn unserem Schöpfer gefällig zu sein: Tut Busse, betet, lobt, wo Lob verdient, und tadelt, wo Tadel notwendig ist! Beunruhigende Dinge sind seit gestern an meine Ohren gedrungen. Deshalb, auf die Bitte vieler meiner Schäfchen hin, würde ich die heutigen zwei Psalmen gerne Avishai Milton widmen, der, so fürchte ich, vom rechten Pfad abgekommen zu sein scheint: 1. Korinther 10, 13: Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt. ...und: 1. Korinther 6, 9: _Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder der Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. _ Lieber Avishai, im Namen aller Bewohner dieser reinen Stadt bitte ich dich: Tu Busse für deine Verirrungen, bitte unseren Herrn um Vergebung, dann steht auch dir das Paradies offen! Wisse, dass wir alles tun werden, um dir zu helfen! Mit diesen Worten: Bis heute Abend zum gemeinschaftlichen Beten in der Scott-Lively-Kirche!"

Hendrik sah mit eiskaltem Blick zu Evelyn hinüber, die sprachlos eine Pfote über den Mund gelegt hatte und ihrerseits zu Avishai herabsah. Hendrik drehte den Kopf und wurde bleich. Avishai's Decken waren ihm bis zum Bauchnabel herab gerutscht, doch das kümmerte ihn nicht. Tränen rollten seine Wangen hinab, seine Augen blickten leer und stumpf. In einer gemeinsamen Bewegung standen Pantherin und Bulle auf, und da bemerkte Avishai sie. Erschrocken wich er zurück, bis er an die Wand stiess. Die Decken hatte er unterwegs verloren, und so bedeckte ihn nur sein zerzaustes weisses Fell. Hendrik konnte die Reaktion völlig verstehen. Ein schrecklicher - lebensgefährlicher! - Abschlussball, eine bewusstlose halbe Stunde in Eiseskälte, und dann wachte man auf, um zu hören, dass die ganze Stadt zum Feind geworden war. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, sah sich der nackte Wolf einem einen Meter achtzig grossen Bullen in Anzug mit hervorbrechenden Hörnern und muskulöser Figur gegenüber.

Hendrik war klug genug, dem Einfühlungsvermögen Evelyns den Vorzug zu geben, und blieb stehen. Sie eilte an die Seite des Wolfes und nahm ihn in die Arme. Hendrik warf ihr eine Decke zu, die sie dem Wolf um die Schultern legte, dann fuhr sie ihm sanft über den Kopf, als er sich an ihre Brüste drückte und seinen Tränen freien Lauf liess. "Schhh", murmelte sie, "jetzt ist's vorbei, Kleiner. Wir tun dir nichts. Er tut dir nichts." Ein Schluchzen. Sie wiegte ihn sanft. "Schlaf weiter. Hier kommt niemand rein, hier sind nur wir drei." Sie wandte sich an Hendrik. "Kann er in deinem Bett schlafen? Oder hast du noch ein zweites?" Er nickte. "Er soll meins haben, ist grösser. Ich schlafe im Gästezimmer, wenn's nicht besetzt ist." Sie runzelte die Stirn. "Willst du, dass ich hierbleibe?" Hendrik zögerte, errötete, weil sie die Frage vielleicht missverstanden hatte. "Besser wär's. Du bist nicht bedrohlich, und in allen hier relevanten Gebieten besser als ich." Er lächelte leicht, als sie die Ohren anlegte und nachdachte. Das Schluchzen hatte nachgelassen, doch sie wiegte Avishai weiter. "Gut", sagte sie schliesslich, und sie klang seltsam erleichtert. "Aber je weniger wissen, dass ich hier bin, desto besser. Und niemand darf wissen, dass Avishai hier ist." Er seufzte. "Das ist mehr als offensichtlich. Ich mache Frühstück. Denkst du, er...?", fragte Hendrik, sah dann, dass Avishai eingeschlafen war, und brach die Frage ab. Möglichst leise schlich er über die Fliesen in Richtung Küche, und Evelyn flüsterte ihm hinterher: "Speck und Würstchen, bitte!"

Es war neun Uhr, Samstag, bewölkt. Es hatte die ganze Nacht geschneit. Sie sassen frisch geduscht auf dem Boden vor dem Kamin, er trug einen Jogginganzug, sie Trainerhosen und einen weiten grauen Pullover aus seiner Sammlung. Die Tür zu seinem Schlafzimmer war abgeschlossen, alles Gefährliche darin herausgeschafft, damit sich Avishai nicht verletzen konnte, sollte ihn die Erinnerung des gestrigen Abends überwältigen. Der Duft von Speck und frischem Brot zog von der Küche herüber. "Danke für alles", begann Hendrik unbeholfen. "Es gibt zu wenige deiner Art." Sie kicherte. "Zu wenig Panther? Du warst noch nie auf der anderen Seite des Meeres, kann das sein?" Er machte ein verdrossenes Gesicht, musste aber lachen. "Ja. Meine Schwester ist von uns allen am Weitesten herumgekommen. Zum Glück. So sehe ich sie selten." Sie blieb eine Weile still sitzen, dann sagte sie: "Du hast mir nie aus deinem Leben erzählt. Nicht, seit wir uns kennen. Wir haben uns etwa dreimal gesehen, zweimal gesprochen. Warum jetzt? Wie wusstest du, dass du mir vertrauen kannst in dieser... Angelegenheit hier?"

Es stimmte. Sie kannten sich seit einem Monat. In der Schule, auch in den Kirchen, die er notgedrungen besuchen musste, waren Männer und Frauen getrennt. Mit einer Frau gesehen zu werden, hatte etwas Anrüchiges. Während der Mittagspausen hatte er hinter ihr in der Essensschlange gestanden, und wie es der Zufall wollte, war sie plötzlich gestolpert. Er hatte sie rechtzeitig auffangen können, und, dem Handlungsbogen kitschiger Teenie-Komödien entsprechend, waren sie kurz ins Gespräch gekommen. Nur belanglos, ungefährlich. "Ich dachte zuerst, du wärst nur eine weitere Idiotin, die sich von Psalmen und Hostien ernährt, als ich dich aufgefangen habe. Aber dann sagtest du etwas. Nicht 'Oh, mein Schutzengel wacht immer über mich'. Sondern 'Na endlich, jemand, der mal zupackt, ohne davor um Vergebung zu bitten'. Das hat überraschend viel Eindruck bei mir hinterlassen." Sie lachte leise. "Ja. Meine grosse Klappe hat mir schon viele Schwierigkeiten beschert. Mir fällt sowas gar nicht mehr auf." Hendrik fuhr fort: "Tja, das ist's schon. Du bist die Einzige, die nicht dieses fanatische Funkeln in den Augen hat. Und als am Abschlussball die Dinge... eskalierten, wusste ich, dass ich Hilfe brauchte - deine Hilfe." Sie sah ihn seltsam an. "Du bist ein komischer Kerl. Vertrauensselig, offen, intelligent - ansprechend. Vorsicht, Hendrik. Du wirst noch zum Staatsfeind Nummer Zwei nach Avishai." Er biss an. "Ansprechend?" Sie winkte ab und entblösste ihre Reisszähne. "Sagen wir, die Keuschheit vieler Frauen hier müsste sich auf einen harten Kampf einstellen. Vergiss es." Er blinzelte verwirrt. "Nun... danke?" Sie stand auf. "Komm. Wir sollten mit Avishai reden, dann sehen wir, wie's weitergeht."

"Avishai? Kleiner, wach auf." Er machte die Augen auf und sah sich schlaftrunken um. Schmerzen. Schmerzen in seiner Schnauze. Seine Zunge erfasste eine ungewohnte Lücke, und, plötzlich hellwach, begriff er: Ihm fehlte ein Zahn, sein rechter, unterer Reisszahn. Der Wolf lag in einem dunkelroten Bett in einem grossen Zimmer. Auf der gegenüberliegenden Seite standen leere Bücherregale und eine Vitrine, rechts von ihm ein grosser, leerer Schreibtisch vor einer Panorama-Wand, die mal Strände, mal Tropenwälder, mal Gebirgstäler zeigte. Es war warm und dämmrig in dem Zimmer, durch die offene Tür zu seiner Linken fiel etwas Licht herein. Die beiden Fremden, die er nur von der Schule kannte, standen vor ihm. Die schlanke Pantherin, die ihn angesprochen hatte, lächelte sanft, doch der Riese neben ihr blickte ernst und wirkte angespannt. Er machte ihm Angst, obwohl er ihm anscheinend nichts tun wollte. "Wo bin ich?", fragte er und ärgerte sich über seine piepsige Stimme. "Was ist passiert?" Die zwei sahen sich an, dann sagte der Bulle: "Du bist im Haus meiner Schwester. Ich wohne hier seit sechs Monaten; sie ist weg. Das hier", er deutete zur Pantherin, "ist Evelyn. Sie geht in die gleiche Stufe wie ich." Er zögerte. "Gestern Abend... war Abschlussball, und du... du hast etwas sehr dummes - und mutiges - gesagt. Ich war zufällig in der Nähe, als du... Patrick, dem Quarterback der Blessed Angels, gesagt hast, er..." Er räusperte sich unbehaglich, wollte ihm die Erinnerung nicht ins Gesicht schlagen. Evelyn übernahm. "Du hast ihm anscheinend gesagt, er sei dir sehr wichtig, und einer der schönsten Hengste, die du je kennen gelernt hast." Avishai erstarrte. Die Erinnerungen kehrten alle mit der Wucht eines Dampfhammers zurück. Sie wussten also davon. Jeder wusste davon. Was nun? Rennen? Sich unter der Bettdecke verkriechen? Seine Zukunft war gelaufen; er hatte sein Vertrauen in die falsche Person gesetzt. Er nahm seinen Mut zusammen und blickte in ihre Augen, suchte nach Abscheu oder Hass. Er fand nichts dergleichen. Er sah Mitleid. Auch beim Bullen. Dieser fuhr mit nun eisenharter Stimme fort: "Patrick schlug dir die Faust ins Gesicht, dann in den Magen. Du fielst zu Boden, dann ranntest du weg. Einer von Patricks Kollegen lachte schallend und rief dir hinterher: 'Ja, lauf, du Schwuchtel, geh' wieder in dein Drecksloch in der Bucht; tu' uns einen Gefallen und ersäuf dich im Meer!' " Er zuckte die Schultern. "Ich entfernte mich unauffällig, suchte Evelyn, die hierher kam und alles vorbereitete, dann ging ich so schnell wie möglich zur Bucht, in der Hoffnung, dass du tatsächlich dort seist." "Warum?" flüsterte der Wolf. "Warum helft ihr? Warum hassen mich die anderen? Warum darf ich nicht anders sein?" Evelyn wollte etwas sagen, doch Hendrik lehnte sich vor und sagte ruhig: "Du bist schwul, Avishai. Und die einzigen Personen, die dich so akzeptieren, sind hier in diesem Raum. Für uns zwei gibt es kein Warum, dir zu helfen war eine Selbstverständlichkeit. Für die Zukunft werden wir aber eine Lösung finden müssen."

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Wie eingangs erwähnt: Wem's gefallen hat und wer von hier an weiterschreiben möchte, fühle sich frei, das zu tun. Ich würde gerne wissen, wie's weitergeht. Ausserdem bin ich nicht so breit, wenn's um yiffige Parts geht.